Ruderverein Babensham von 1981

 Vogalonga 2010

Fast Windstille, kaum Wellen, ein strahlend blauer Himmel, sommerliche Sonne satt und über 1600 Boote aller Art im Canale di Giudecca. So präsentierte sich dieses Jahr allen Teil-nehmern die Vogalonga am Start vor dem Sankt Markus Platz in Venedig.

Es ist immer wieder ein faszinierendes Bild all die Boote, Kanus, Gondeln, Eigenkreationen und Ruderboote vom Einer bis zum Achter sich versammeln sehen. Es beginnt ja bereits an den Ablaufstationen der Bootslager, alles ist aufgeregt, die Boote werden zu Wasser ge-bracht, viele Teilnehmer sind bereits am Vortrag mit ihren Booten ein gutes Stück Richtung Start gefahren und haben sich Liegeplätze irgendwo in Venedig in Startnähe oder auf dem Weg dorthin gesucht. Alle fahren dann bereits zum ersten Mal durch den Canale Grande Richtung Start vor dem Markusplatz, auf dem Weg dorthin kann man all diejenigen bei ihren Vorbereitungen beobachten, die bereits in Startnähe lagern.

Bei der Ausfahrt aus dem Canale Grande in die Giudecca erwartet einen ein Blick auf das Teilnehmerfeld und auch erfahrenen Vogalonga-Ruderern, wie unserem Klaus, immerhin der wohl erste deutsche Teilnehmer in den Anfangsjahren der Vogalonga, läuft bei diesem An-blick und dem Gefühl des Mittendrin eine Gänsehaut über den Rücken. Es ist großartig die-ses Bild immer wieder sehen zu dürfen und Teil des Ganzen zu sein.

Dieses Jahr sind nun Udo Schilling, Klaus Schwarz, Peter (Knubbl) Drews, Claudio Cornoldi und Christian Kössl über den Brenner Richtung Venedig aufgebrochen um die Farben gelb-schwarz zu vertreten. Die Anreise haben alle per Auto gemacht, geparkt haben wir in Mestre und die Fahrzeuge in bewachten Garagen direkt am Bahnhof in Mestre für unseren Vene-digaufenthalt abgestellt. Claudio Cornoldi ist ein italienischer Freund von Udo und in Venedig zu Hause. Er hat uns als erfahrener Venezianer, und damit Kenner der Lagune, als Steuer-mann zur Verfügung gestanden, was bei den diesjährigen Wasserverhältnissen von durch-aus großem Wert war. Wer schon einmal in sehr flachem Wasser gerudert ist, weiß wie sich das anfühlt und zäh werden kann, Claudio kannte die sehr flachen Stellen der Lagune und hat diese filigran umschifft.

Unser Boot, Danke hier an Tom Thalmaier vom MRSV, lag am Bootsplatz Tronchetto, ei-gentlich der Auto-Parkplatz in Venedig. Das Einsetzen morgens um viertel nach 8 war eine erste gute Aufwärmübung. Der Bootssteg ist nicht auf Ruderboote oder Kanus ausgelegt, sondern ist für die venezianischen Schiffchen gebaut und damit auch knapp einen Meter über der Wasserlinie hoch. Aufmerksamkeit war geboten, denn ein Kanu ist an dieser Übung fast gescheitert und konnte nur durch beherztes Zugreifen Umstehender gerettet werden. Also, Boot mit aller gebotenen Vorsicht auf den schwankenden Steg getragen, über den Kiel steil nach unten Richtung Wasser rutschen lassen, die letzten 30 cm dann liegend, Christian legte sich hier auf den Steg und übernahm das Boot. Platsch, drin war’s. Jetzt folgte die zweite abenteuerlich anmutende Übung, denn einsteigen mussten wir ja auch noch. Das Boot richtig festhalten ging nicht, es lag ja fast einen Meter unter uns. Aller Anfang ist ja be-kanntlich etwas schwerer, so daß zunächst Knubbl sich hinuntergewagt hat, ohne eingelegte Skulls, sich vorsichtig auf seinen Platz setzt und die nach unten gereichten Skulls einlegt. So sind wir dann Mann für Mann in unser Boot gekrabbelt. Erste Schweißtropfen standen auf der Stirn, immerhin war’s um 8 Uhr morgens schon sommerlich warm und Schatten gibt’s am Bootssteg ja keinen.

Nachdem nun alle Mann turnerisch ihren Arbeitsplatz erreicht und für die nächsten gut zwei-einhalb Stunden bereit gemacht haben, Trinkflasche griffbereit gelagert, Sitzposition noch ein letztes Mal kontrolliert und ab ging´s Richtung Start. Auslage – Fertig – Los! Gemächliches Anrudern, rein in den Canale Grande, die ersten kleinen Wellen der Wasserbusse, dann vor-bei am Bahnhof und Richtung Start. Der Canale Grande ist schon gesperrt für jeglichen sonstigen Schiffsverkehr, also ein wirklich schönes Warm- und Wachrudern. Beeindruckend immer wieder die Kulisse, nur ein paar Ruderboote und Kanus, die ebenfalls sich in die Startzone aufmachen, vorbei an den alten Palazzi, die den einstigen Glanz Venedigs heute nur noch erahnen lassen. Dann die erste Durchfahrt unter der Rialto-Brücke und noch gut 2 km zur Giudecca, dem Startbereich gegenüber dem Markusplatz.

Wir rudern uns langsam und gemächlich Richtung Startlinie vor, vorbei an allerlei Bootskrea-tionen und Ruderern aus aller Herren Länder. Dann um Punkt 9 Uhr donnert der Kanonen-schuß, das Startsignal, und alle 1600 Boote setzen sich nun mit Enthusiasmus und Freude an diesem Ereignis gemeinsam in Bewegung. Auch wir nehmen Fahrt auf, als altgediente Rennruderer nicht ganz so gemütlich wie die meisten anderen Teilnehmer, durchpflügen wir die Lagune. Die ersten Engpässe entlang den Inseln Vignole und Sant Erasmo mit anderen Booten löst unser venezianischer Steuermann Claudio ruhig und gelassen, er führt uns vor-bei an den anderen Booten, die sich zunächst nicht gerne überholen lassen möchten, aber Claudio hat das im Griff und weiter geht’s zur Halbzeit in Burano, dem Wendepunkt. Danach geht’s für rund 5 km über die Lagune, über freies Wasser, Richtung Glasinsel Murano. Hier im Freiwasser schweift der Blick hin und wieder über den Horizont, aber viel Zeit bleibt nicht, denn das Ziel ist noch fern, und weiter geht’s im Rhythmus des Ruderschlags. Bei der Ein-fahrt in Murano stehen schon die ersten Zuschauer und applaudieren und jubeln uns zu, was nach bisher immerhin rund 21 km Ruderstrecke gut tut und den Schlag wieder beflügelt. Ein Vorgeschmack auf das Schlußstück im Canale Cannaregio. Nach Murano folgt die letzte ernsthafte Prüfung, die Passage zur Einfahrt nach Venedig, der Erlauchtesten. Hier gibt es immer die Gefahr von deutlichem Wellengang und auch einige Untiefen zu umsteuern, die Claudio meisterlich anvisiert. Von Wellen bleiben wir dieses Jahr Gottlob verschont. Wir be-obachten dann aber doch einige andere Boote, die nach unserer Ansicht hier eine Abkür-zung fahren und uns vielleicht doch noch einholen oder gar überholen könnten, aber Claudio erklärt uns kurz, daß wir zwar ein Stück Weg mehr rudern, aber dafür die anderen im zähen Flachwasser ankleben, weil grade Tiefstand ist und ca. ein guter halber Meter an Wasser fehlt. Das ist Balsam auf unsere geplagten Ruderschultern und wir nehmen die letzten Kilo-meter mit Schwung in Angriff. Dann hören wir schon den Applaus der Zuschauer aus dem Cannaregio zu uns herüber schallen und wir wissen, jetzt dauert´s nicht mehr lange und der Lohn der Arbeit winkt. Im Canale Cannaregio ist auch unsere mitgereiste Fangemeinde pos-tiert und feuert uns an, Bobby Lutz mit Familie, Udos Sohn Carsten mit seiner Freundin und Claudios Frau Laura geben uns für die restlichen Kilometer im Canale Grande noch einen Motivationsschub, feuern uns kräftig an und schon geht’s um die Kurve auf die Zielkilometer. Auf diesen letzten vier Kilometern können wir noch ein Ruderboot und einen Kajakvierer ü-berholen. Letzte Durchfahrt unter der Rialto, die von Knubbl mit einem erleichterten Juchzer gefeiert wird.

Nach knapp zwei Stunden endlich der Zielbereich, erst konnten wir nur hören, daß wir gleich da sein werden, wir wurden vom Stadionsprecher namentlich beim Durchrudern erwähnt, und schließlich war das Zielfloß da. Geschafft! Jetzt erst mal freuen, wir drücken uns gegen-seitig für dieses Stück Rudern die Hände und löschen unseren Durst. Locker wird weiter ge-rudert, dann drehen wir um und beginnen die Rückfahrt zum Bootsplatz. Die ersten Nachfol-ger, Kanus, Ruderboote kommen uns entgegen, auch die eine oder andere Gondel mogelt sich durch. Wir entscheiden uns für eine Abkürzung und fahren nicht den ganzen Canale Grande zurück, der Bootsverkehr der anderen Finisher wird einfach merklich dichter. Also Abbiegen in den Rio Novo, schön schmal, das Rudern in diesen Seitenkanälen vermittelt schon ein eigenes Rudergefühl, knapp an Spundmauern oder vertäuten Schiffchen vorbei, verfolgt von den venezianischen Taxifahrern mit ihren Booten. Langsam nähern wir uns dem Ablaufpunkt von heute morgen, zwei Boote warten schon aufs Anlegen. Dann sind wir dran, gleiche Prozedur wie heute morgen, aber diesmal anders herum, und wir haben über zwei Stunden intensives Rudern in uns stecken. Also vorsichtig an den Steg rantasten, Skulls ein-ziehen und schon mal aus den Dollen rausnehmen, sonst kommen wir gar nicht in Reichwei-te unseres Steges. Jetzt ist das Boot soweit hingetrieben, daß wir mit den Händen den Steg-rand erreichen können, Claudio steigt als erster diesmal auf den Steg hoch und hält so gut es geht das Schiff fest, wir folgen einzeln der Reihe nach. Jeder klettert müde aus dem Boot, steigt den einen Meter auf den Steg und dann müssen wir noch das Boot rausbucksieren. Also Leine unters Boot gefädelt und mit vereinten Kräften hieven wir unser Schiffchen am Heck hoch, jede freie Hand greift zu, damit das Boot nicht auf den Boden knallt und Schaden nimmt. Geschafft, Boot ist gesichert, wir tragen es erleichtert in die Böcke und beginnen mit den letzten Handgriffen, Abriggern, Aufladen. Zum Abschluß marschieren wir geschlossen in die nächste Bar und Udo schmeißt eine Runde kühles Bier. Welch ein Genuß nach dieser schönen Ruderpartie!

Venedig war für ein paar Stunden auf dem Wasser, das was es in seiner Glanzzeit war, eine Seemacht mit Menschen aus aller Herren Länder in seinem Stadtbereich.

Ein wirklich schönes Ruderwochenende mit lieben Freunden ist zu Ende, aber es ist gewiß, wir kommen wieder!

(Übernommen von Christian Kössl, RGM)




"Alles muss raus" war eine schöne Sache!

Am Samstag, 1. Mai 2010 und am Sonntag, 2. Mai 2010 ist es uns nicht ganz gelungen, alle Boote des RVB zu rudern. Trotzdem war es ein gelungenes Wochenende, an dem alle Einer, alle Zweier, alle Dreier, zwei von drei ungesteuerten Vierern, alle gesteuerten Vierer sowie einer von zwei Achtern jeweils über acht Kilometer gefahren wurden.

So konnten an zwei Tagen 514 Mannschaftskilometer im Fahrtenbuch registriert werden!



"Alles muss raus" nach der ersten Runde




Die Mosel, 1970 Deutscher Meister im Lgw. 4-